Historie

Die Jahre 1911 - 1945
Mit Schreiben vom 26. Mai 1911 teilt das k.u.k. Landesgericht Innsbruck als Handelssenat mit, dass mit heutigem Beschluss die Firma : Spar und Darlehenskassen Verein für Thaur, registrierte Genossenschaft mit unbeschränkter Haftung mit dem Sitz in Thaur in das Genossenschaftsregister eingetragen wurde. Gleichzeitig wird in dieser Beschlussausfertigung festgestellt, dass sich die Mitglieder des ersten Vorstandes wie folgt zusammensetzen:

Obmann:
Josef Norz, Bauer

Obmann-Stellvertreter:
Franz Plank, Salinenmeister

Vorstandsmitglieder:
Franz Riedmüller, Bauernsohn
Romed Posch, Bauer

In der ersten Vollversammlung, in welcher 36 Mitglieder anwesend sind, werden Alois Jordan, Pfarrer von Thaur, zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates und Josef Isser, Vulgo Schmalzer und Alois Pflanzner "Krämer" zu Aufsichtsräten und Kooperator Andreas Goller zum ersten Zahlmeister gewählt.

Wie aus den schriftlichen Unterlagen zu entnehmen ist, war es vor allem Pfarrer Jordan, welcher die Gründung der Raiffeisenkasse zum Wohle der Gemeinde und der Gemeindebürger förderte, im Wissen, dass die geniale Idee des einfachen Landbürgermeisters Friedrich Wilhelm Raiffeisen "Einer für Alle und Alle für Einen" geeignet ist, die Nöte der Zeit gerade auch in den Dörfern zu lindern.

Die Anfänge der Raiffeisenkasse Thaur waren bescheiden, jedoch erfolgreich im Bemühen das Vertrauen der Gemeinde, der Kirche und der Dorfbevölkerung zu gewinnen.

Jugendhortlokal konnten zunächst jeden Sonntag nach dem vormittägigen Gottesdienst die Kassenstunden abgehalten werden. Später wurden diese auf jeden Freitag von 19:30 bis 21:00 Uhr verlegt. Da 1912 das "Spritzenhaus" erbaut wurde, in welchem sich auch das Gemeindelokal befand, konnte am 21. September 1917 ein Interimsvertrag zwischen der Gemeinde und der Genossenschaft geschlossen werden, wonach dieses Gemeindelokal in den Abendstunden als Kassenlokal benutzt werden durfte.

1923 war der Mitgliederstand auf 104 Genossenschaftsmitglieder angewachsen. Die guten Revisionsberichte über die Arbeit der ehrenamtlich tätigen Genossenschaftsfunktionäre und des Zahlmeisters ließ die Geschäftstätigkeit rasch anwachsen. So stiegen die Spareinlagen und Kreditansuchen, Darlehen wurden vergeben für Liegenschaftsankäufe, Hausaus und Umbauten, für Holz und Vieheinkäufe sowie für landwirtschaftliche Geräte. Bereits in den ersten Jahren des Bestandes der Genossenschaft konnten Darlehen wie für den Neubau des Schiessstandes, für den Ankauf der Thaurer Alpe durch die Gemeinde und nach dem ersten Weltkrieg  für die Glockenbeschaffung der Pfarre Thaur, Darlehen bewilligt werden.

Am 24. Mai 1936 fand die 25. Generalversammlung des Spar u. Darlehenskassenvereines für Thaur beim "Ginerwirt" (heute Gasthaus Purner) statt. Es war eine festliche Veranstaltung. In Anwesenheit von Bezirkshauptmann Dr. Altmayer, Oberinspektor Windisch vom Revisionsverband, geistlicher Rat Pfarrer Johann Köll, Bürgermeister Josef Posch, der gesamten Vertretung des Gemeindetages, einer Abordnung der Thaurer Musikkapelle unter der Leitung von Oberlehrer Josef Sölder und Josef Niedermair als Obmanndes Bauernbundes Ortsgruppe Thaur, wurde ein stolzer Rechenschaftsbericht abgegeben.

In den Ansprachen der Ehrengäste wird die segensreiche Tätigkeit besonders für die Ortsbevölkerung betont, wodurch so mancher Ortsbürger in seiner bedrohten Existenz durch die Raiffeisenkasse hilfreiche Unterstützung fand.

Die Vorstandsmitglieder Pflanzner Alois und Franz Riedmüller wurden zu Ehrenmitglieder der Raiffeisenkasse Thaur ernannt. Dem Obmann Franz Plank, Oberbergmeister überreichte Bürgermeister Josef Posch die Urkunde über die Ernennung zum Ehrenbürger von Thaur, die der Gemeindetag in seiner Sitzung vom 18. Mai 1936 in Anerkennung seiner Verdienste in der Gemeinde und für die Raiffeisenkasse Thaur beschlossen hat.

Mit  Übergabevertrag vom 30. November 1939, abgeschlossen zwischen der Gemeinde Thaur als Übergeber und dem Spar und Darlehenskassenverein für Thaur wurde die Bauparzelle B 247/2, auf welcher die Raiffeisenkasse seinerzeit von der Gemeinde Thaur erbaut wurde, dieser übereignet. Dies war ein weiterer Schritt im Auf und Ausbau der Raiffeisenkasse.

Der zweite Weltkrieg brachte keine Unterbrechung der Geschäftstätigkeit der Kasse. Es war lediglich als Ersatz für den eingerückten und später gefallenen Zahlmeister Johann Plank, ein neuer Zahlmeister zu bestellen. Der verdiente Aufsichtsrat "Oberlehrer Josef Sölder", hat diese Tätigkeit zur vollsten Zufriedenheit der Funktionäre und der Aufsichtsorgane des Revisionsverbandes bis zum Jahre 1964 ausgeübt.

Die Jahre 1946 bis 2000
Nach dem zweiten Weltkrieg erfuhr die Raiffeisenkasse Thaur eine rasante Aufwärtsentwicklung. Die rege Bautätigkeit, die gute wirtschaftliche Entwicklung der bäuerlichen und gewerblichen Betriebe, die Ausweitung der Bankgeschäfte auf alle Berufsgruppen ließ sie zu einer Leistungsgemeinschaft werden, die den Tagesverkehr und die Vergrößerung des Geschäftslokales, sowie eine moderne maschinelle Ausstattung für die Buchführung erforderte. So entschloss sich der Vorstand und Aufsichtsrat der Raiffeisenkasse Thaur mit der Gemeinde Thaur am 5.4.1974 einen Kauf und Dienstbarkeitsvertrag abzuschließen, wonach die Gemeinde Thaur im Gemeindehausneubau der Raiffeisenkasse Thaur das Recht einräumte, Geschäftsräume im Rohbauausmaß von 169,70 m² zu errichten. Diese Dienstbarkeit wurde von der Gemeinde Thaur, ohne zeitliche Beschränkung und von dieser unkündbar abgeschlossen. Die bisherige Liegenschaft, die die Raiffeisenkasse Thaur im Jahre 1939 erworben hatte, wurde wieder Eigentum der Gemeinde Thaur. Das Zeitalter der elektronischen Datenverarbeitung (EDV), die gerade im gesamten Bankenbereich eine rasante Entwicklung erfuhr, machte auch vor unserem heimischen Geldinstitut nicht halt. Vorausgegangen ist eine Buchungsgemeinschaft mit der Raiffeisenkasse Absam und Rum. und in späterer Folge auch mit der Gemeinde Thaur, mit Sitz in der Raiffeisenkasse Thaur. Im Jahre 1980 wurde über das Raiffeisen Rechenzentrum Tirol, die erste EDV-Anlage installiert. Im Jahre 1993 konnte in Thaur der erste Geldausgabeautomat (Bankomat) durch die Raiffeisenkasse Thaur aufgestellt bzw. in Betrieb genommen werden. Da die Gemeinde Thaur im Jahre 1994 einen Zubau errichtete, konnten auch für die Raika Thaur neue Büroräume angemietet und im Keller eine Kundensafeanlage eingebaut werden. Im Jahre 1997 beschloss der Vorstand und Aufsichtsrat den Umbau und die Neugestaltung der Schalterhalle und der Büroräumlichkeiten. Die Raiffeisenkasse Thaur, nunmehr eine "Genossenschaft mit beschränkter Haftung", ist wie im letzten Revisionsbericht vermerkt, ein gut geführtes, Eigenkapital starkes, modernes, eigenständiges Bankinstitut und für Thaur ein unverzichtbares Wirtschaftsunternehmen mit einer sehr hohen Steuerleistung für die Gemeinde  geworden.

Den beiden Geschäftsleitern Martin Öttl und Romed Rott, sowie dem Obmann und Prokuristen Thurnbichler Hermann mit seinem Vorstand und Aufsichtsrat, sowie den Angestellten möge weiterhin viel Erfolg im 90. Bestandsjahr und darüber hinaus zum Wohle der 812 Mitglieder und den sonstigen Geschäftspartner beschieden sein.

Thaur im Jänner 2001

Dr. Franz Plank sen.
ehem. Aufsichtsrats u. Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenkasse Thaur

Raiffeisenkasse Thaur, reg.Gen.m.b.H.                                                          

 

Friedrich Wilhelm Raiffeisen
Eine Idee erobert die Welt!
geb. 1818 in Hamm an der Sieg (BRD)
gest. 1888 in Neuwied (BRD)

Friedrich Wilhelm Raiffeisen ist als einer der größten Wirtschafts- und Sozialpioniere längst über sein deutsches Vaterland hinaus zum großen Bürger der Welt hinausgewachsen. Und genau so weit, wie die Idee Raiffeisens in der Welt fruchtbaren Boden fand, leben heute freie Menschen in freien Gesellschaftssystemen. Sie verdanken ihre Freiheit weithin der genialen Idee und die Tat des einfachen Landbürgermeisters

Friedrich Wilhelm Raiffeisen